The Great Wall Builder — Auf Deutsch lesen
Die Titel der Geschichten stehen noch auf Englisch; der Text jeder Geschichte ist auf Deutsch.
Hoch oben auf dem Drachenberg lebte Elara, eine junge Frau, die mehr für ihre Freundlichkeit als für ihr Geschick bekannt war. Doch niemand kannte ihren geheimen Traum. Jeden Tag spazierte Elara mit ihrem besten Freund Bram, einem eigenwilligen Erfinder, zwischen den alten Steinen ihres Bergheims. An einem windigen Nachmittag blieb Elara stehen und blickte auf die weiten, ungeschützten Ländereien unter ihr. „Stell dir vor“, seufzte sie, „eine Mauer, so großartig, dass sie jeden beschützt!“ Bram, stets der Optimist, grinste. „Eine Mauer, die den Himmel berührt!“ Aber Elara wusste, dass eine Mauer mehr brauchte als Träume und mehr als Erfindungen. Sie brauchte Mut. Einen Mut, dessen sie sich nicht sicher war, ob sie ihn besaß.
Doch alles änderte sich, als ein panischer Bote eintraf und Nachrichten über monströse Überfälle überbrachte, die die Dörfer heimsuchten. Angst packte Elaras Herz. „Sie zerstören alles!“, rief der Bote und brach vor ihren Füßen zusammen. „Wir brauchen Schutz!“ Bram, stets praktisch veranlagt, begann Entwürfe zu kritzeln und murmelte etwas von verstärkten Toren und Alarmsystemen. Doch Elara wusste, dass das nicht genug war. „Wir brauchen etwas… mehr.“
„Wir werden eine Mauer bauen“, erklärte Elara, ihre Stimme klang von neuem Entschluss. Bram blickte überrascht auf. „Aber Elara, das ist unmöglich! Das würde Jahre dauern!“ Elara begegnete seinem Blick, ihre Augen leuchteten vor Entschlossenheit. „Dann fangen wir heute an.“ Ein alter Steinmetz, Meister Jian, näherte sich. „Ich habe deine Worte gehört, Kind. Eine Mauer ist mehr als Stein. Sie ist Mut, Freundlichkeit und Einheit. Ich werde dir helfen. Aber viele werden zweifeln. Du musst ihnen die Stärke in dir zeigen.“ Gemeinsam planten sie, angetrieben von Hoffnung und einem gemeinsamen Ziel.
Ihre erste Herausforderung waren die Flüstern Wälder. Der Legende nach verwirrten die Bäume Reisende und ließen sie ihren Weg verlieren. „Wir müssen einen Pfad markieren“, schlug Bram vor und schwang seine neueste Erfindung – einen Kompass, der leuchtete! Aber die Wälder waren tiefer, dunkler, als sie es sich vorgestellt hatten. Schatten tanzten. Stimmen hallten wider. Bald drehte sich sogar Brams Kompass wild. „Die Bäume kämpfen gegen uns“, erkannte Elara. Dann bemerkte sie die Waldtiere, die sich ängstlich zusammenkauerten. „Was ängstigt euch?“, fragte sie ein zitterndes Kaninchen. Es zeigte mit der Nase auf eine vergiftete Quelle.
Elara verstand. Die Wälder waren nicht bösartig; sie litten. Sie erinnerte sich an eine Lektion, die Meister Jian ihr beigebracht hatte. „Stein ist stark, aber Wasser gibt ihm Leben.“ Sie führte sie zu einem versteckten Bach. „Wenn wir diesen umleiten können, können wir die Quelle reinigen.“ Aber der Bach war von einem riesigen Felsen blockiert. „Ich sprenge ihn weg!“, rief Bram und zog eine explosive Mixtur hervor. „Wartet!“, rief Elara. „Wir könnten die Bäume verletzen!“ Gemeinsam, mit Hebeln und Teamwork, bewegten sie vorsichtig den Felsen und ließen das reine Wasser frei. Der Wald seufzte, die Schatten wichen zurück und der Weg wurde frei.
Doch dann kam die Nachricht, dass die Monster, groteske Felswesen namens Grocks, früher als erwartet angriffen. Die Mauer war erst halb fertig! Panik breitete sich in den Dörfern aus. „Es ist hoffnungslos!“, riefen einige. Sogar Bram sah entmutigt aus. „Wir brauchen ein Wunder“, murmelte er. Elara spürte, wie ihr eigener Mut schwankte. Sie blickte auf die unfertige Mauer, ein Denkmal ihres Ehrgeizes, nun ein Symbol ihres Scheiterns. Wenn die Mauer sich doch nur selbst bauen könnte! Dann bemerkte sie einen kleinen, glatten Stein zu ihren Füßen. Er summte leise.
Elara erinnerte sich an Meister Jians Worte und hob den Stein auf. Er pulsierte warm. „Das ist nicht nur ein Stein“, erkannte sie. „Es ist ein Samen!“ Sie zeigte ihn Meister Jian, der nickte. „Die Erde selbst möchte sie beschützen. Aber sie braucht ein Lied.“ Bram erinnerte sich trotz seiner Zweifel an eine Melodie, die seine Großmutter sang – ein Lied, das mit dem Land in Resonanz stand. Elara begann zu singen, ihre Stimme klar und stark, während Bram eine einfache Flötenbegleitung spielte. Der summende Stein vibrierte und die unfertige Mauer begann zu leuchten.
Plötzlich schnellte die Mauer empor, wurde höher und stärker, belebt durch das Lied und den Stein. Aber die Grocks griffen an! Sie waren riesige, bedrohliche Steingestalten, deren Augen rot leuchteten. Elara stand fest, ihre Stimme unerschütterlich. Die Mauer pulsierte mit Licht und lenkte die Schläge der Grocks ab. Meister Jian erschien und wies die Dorfbewohner an, schwache Stellen zu verstärken. Mit jeder Note wuchs die Mauer und drängte die Grocks zurück. Als die letzte Note erklang, rief Elara: „Freundlichkeit ist der stärkste Stein von allen!“ Die Mauer stand vollständig da und schimmerte vor Kraft.
Die Grocks, geschwächt durch die Kraft der Mauer, zerfielen zu Staub. Die Dorfbewohner jubelten, ihre Angst wich Dankbarkeit. Elara, erschöpft, aber triumphierend, lehnte sich an die Mauer. Bram lächelte, seine Schutzbrille saß schief. „Wir haben es geschafft, Elara! Wir haben eine Mauer gebaut!“ Meister Jian legte ihr tröstend eine Hand auf die Schulter. „Du hast es ihnen gezeigt, Kind. Dein Mut, deine Freundlichkeit, haben mehr als eine Mauer gebaut. Sie haben Hoffnung gebaut.“ Die Dörfer waren sicher, geschützt durch eine Mauer, die aus Mut, Freundlichkeit und ein wenig Magie entstanden war.
Jahre vergingen. Die Mauer stand stark, ein Zeugnis von Elaras Tapferkeit. Elara, nicht länger nur eine Träumerin, war nun eine Anführerin, ein Symbol der Hoffnung. Oft ging sie mit Bram die Mauer entlang und erinnerte sich an ihre Reise. „Ich dachte, es wäre unmöglich“, gestand Bram. Elara lächelte. „Wir brauchten nur ein wenig Freundlichkeit und viel Mut.“ Und so stand die Große Mauer nicht nur als Barriere, sondern als Erinnerung daran, dass die größte Stärke nicht im Stein liegt, sondern im Inneren. Elara lernte, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst war, sondern der Triumph über sie. Ihre wahre Schönheit strahlte aus dem Herzen.