The Labyrinth's Clockwork Sleep Song — Auf Deutsch lesen
Die Titel der Geschichten stehen noch auf Englisch; der Text jeder Geschichte ist auf Deutsch.

„Hast du das gehört?“, flüsterte Vera, ihre Augen weit aufgerissen. Pavel lauschte angestrengt, die Luft erfüllt vom Geruch alten Papiers und vergessener Geschichten. Ein leises, rhythmisches Ticken hallte durch die labyrinthartige Bibliothek, ein Geräusch, das vor Magie zu summen schien.

„Es ist das Uhrwerk-Schlaflied“, hauchte Pavel und erinnerte sich an die alten Legenden. „Man sagt, es wiegt das gesamte Labyrinth in den Schlaf, Geschichte und alles!“ Er zeigte Vera eine spröde, vergilbte Seite, die er untersucht hatte. „Aber das Lied verblasst – hör mal!“ Das Ticken stockte und wurde schwächer.

„Wenn das Lied aufhört, was geschieht mit den Geschichten?“, fragte Vera, ihre Stimme zitterte leicht. Pavel biss sich auf die Lippe. „Sie… sie verblassen. Wie Träume, die im Morgenlicht vergessen werden.“ Er blähte seine Brust auf: „Wir müssen die Quelle finden und das Lied neu starten!“ Vera klammerte sich an ihr Lieblingsmärchenbuch. „‚Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem einzigen Schritt‘, wie Lao Tzu sagte. Also, wo fangen wir an?“

Sie folgten dem Ticken, tiefer in das Labyrinth hinein. Die Regale wurden höher, die Schatten länger. „Ich glaube, es kommt aus der Zentralkammer“, sagte Pavel und zeigte einen schmalen Korridor hinunter. Plötzlich schloss sich ein Wandabschnitt mit einem dröhnenden Schlag! „Was machen wir jetzt?“, fragte Vera, ihre Stimme hallte wider.

Pavel untersuchte die Wand und fuhr mit den Fingern über den kalten Stein. „Hier ist ein Symbol!“, rief er aus und fuhr dessen Umriss nach. „Es sieht aus wie ein Halbmond mit einem Uhrzeiger darin.“ Vera schnappte nach Luft. „Das ist das Zeichen der Zeitwächter! Die Legende besagt, dass sie das Uhrwerk-Schlaflied bewachten.“ Sie brauchten schnell mehr Informationen. „Vielleicht weiß Dev etwas“, sagte Pavel, „er weiß alles über diesen Ort!“

Sie eilten zurück in die Haupthalle und fanden Dev, der akribisch Schriftrollen katalogisierte. „Dev! Die Zeitwächter!“, rief Pavel außer Atem. Dev, ein zwölfjähriger Junge mit glattem, schwarz zurückgekämmtem Haar, blickte erschrocken auf. „Die Wächter? Was ist mit ihnen?“, fragte er und rückte seine Brille zurecht. Pavel erklärte die Situation. Devs Augen weiteten sich. „Oh nein! Sie waren vereidigt, das Uhrwerklied zu beschützen, aber sie waren auch dafür bekannt, diejenigen zu fangen, die es störten!“

„Wir müssen an der Wand vorbei!“, beharrte Vera. Dev strich sich nachdenklich über das Kinn. „Die Legende besagt auch, dass sie einen geheimen Spruch hatten, der nur in Träumen gesprochen wurde, um jedes Schloss zu öffnen.“ Er hielt inne. „Er ist in ihrem Emblem versteckt! Der Mond repräsentiert Träume, der Uhrzeiger… Zeit!“ Pavel erkannte plötzlich: „Zeit… in Träumen!“

Zurück an der versiegelten Wand schloss Pavel die Augen und konzentrierte sich auf das Symbol. Er flüsterte: „Tick-tock, Schlafenszeit!“ Die Wand erzitterte. Ein mahlendes Geräusch hallte wider. Langsam begann sich der Stein zu öffnen. „Es hat funktioniert!“, jubelte Vera. Dev grinste: „‚Die besten und schönsten Dinge auf der Welt kann man nicht sehen oder gar berühren – man muss sie mit dem Herzen fühlen‘, wie Helen Keller sagte, und du HAST die Verbindung GEFÜHLT!“

Sie rasten durch den Gang und erreichten schließlich eine riesige Kammer. In der Mitte stand eine riesige mechanische Spieluhr, deren Zahnräder knirschend zum Stillstand kamen. Pavel fand schnell den Aufziehschlüssel. Mit zitternden Händen begann er aufzuziehen. Eine süße, klingende Melodie erfüllte die Luft und wurde immer stärker. Das Uhrwerk-Schlaflied war wiederhergestellt!

„Wir haben es geschafft!“, rief Vera und umarmte Pavel. Dev lächelte. „Ihr habt die Geschichten gerettet, und darauf könnt ihr stolz sein!“ Pavel strahlte und spürte die Wärme ihrer Freundschaft. „Das zeigt nur“, sagte er, „dass selbst der kleinste Traum die größte Veränderung bewirken kann – und dass selbst alte, staubige Bibliotheken die größte Magie bergen können.“ Doch dann bemerkte er noch etwas anderes ... ein schimmerndes Portal öffnete sich in der Nähe und zeigte seltsame neue Welten. „Wenn all diese Geschichten miteinander verbunden sind ... wohin führen sie?“