Augustine of Hippo

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Augustinus von Hippos Ideen über Sünde, Gnade und freien Willen haben das westliche Denken über Jahrhunderte geprägt. Sein Konzept der Erbsünde – die christliche Lehre, dass alle Menschen mit einer angeborenen Neigung zum Bösen geboren werden, die aus dem Ungehorsam Adams und Evas im Garten Eden stammt – beeinflusst noch immer Debatten über die menschliche Natur. Aber warum ist ein Philosoph aus dem vierten Jahrhundert – Augustinus lebte von dreihundertvierundfünfzig nach Christus bis vierhundertdreißig nach Christus – für uns heute noch von Bedeutung? „Die Menschen ringen immer noch mit denselben Fragen wie Augustinus“, sagt Dr. Eleanor Vance, Professorin für Philosophie. „Wie vereinbaren wir unsere Fehler mit unseren Bestrebungen? Wie finden wir Sinn in einer Welt voller Leid?“ Philosophie-Hinweis: Augustinus' „Bekenntnisse“ gilt als eine der ersten Autobiographien in der westlichen Literatur.

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Augustinus wurde im Jahr dreihundertvierundfünfzig nach Christus in Thagaste, im heutigen Algerien, geboren. Er war ein brillanter Student der Rhetorik, der Kunst des überzeugenden Sprechens. Doch unter seinen intellektuellen Bestrebungen lag ein tiefes spirituelles Unbehagen. Professor Vance erklärt: „Augustinus war auf der Suche. Er erforschte den Manichäismus und den Neuplatonismus. Keines von beiden stellte ihn vollkommen zufrieden. Seine Mutter, Monica, eine gläubige Christin, betete jahrelang für seine Bekehrung.“ Philosophie-Hinweis: Monica wird heute als die Heilige Monica, die Schutzpatronin der Mütter, anerkannt.

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Der entscheidende Moment kam in einem Garten in Mailand. Geplagt von seinen inneren Konflikten, hörte Augustinus die Stimme eines Kindes, das sang: „Tolle lege, tolle lege“ [„Nimm und lies, nimm und lies“: Der Satz, den Augustinus hörte und der ihn dazu veranlasste, die Bibel zu öffnen und die Stelle zu lesen, die zu seiner Bekehrung führte]. Er öffnete die Bibel zufällig und las eine Stelle aus dem Römerbrief. „Das war es“, sagt Dr. Vance. „Die Worte fanden bei ihm Anklang und boten einen Weg aus seiner moralischen Zerrissenheit. Er konvertierte zum Christentum und widmete sein Leben Gott.“ Philosophische Anmerkung: Augustinus' Bekehrungserfahrung wird in seinen „Bekenntnissen“ detailliert beschrieben.

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Als Bischof von Hippo schrieb Augustinus sehr viel. Sein berühmtestes Werk, „Der Gottesstaat“, war eine Antwort auf die Plünderung Roms durch die Westgoten im Jahre vierhundertzehn nach Christus. Die Menschen verloren den Glauben. „Augustinus argumentierte, dass es zwei Städte gibt“, erklärt Professor Vance. „Die Stadt Gottes, die auf der Liebe zu Gott basiert, und die Stadt des Menschen, die auf der Selbstliebe basiert. Irdische Städte werden aufsteigen und fallen, aber die Stadt Gottes besteht ewig.“ Philosophie-Hinweis: „Der Gottesstaat“ lieferte einen theologischen Rahmen zum Verständnis der Geschichte und der Rolle der Kirche.

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Augustinus rang mit dem Problem des freien Willens angesichts der göttlichen Allwissenheit [Göttliche Allwissenheit: die Fähigkeit, alles zu wissen, was es zu wissen gibt]. Wenn Gott alles weiß, sind unsere Entscheidungen dann wirklich frei? „Augustinus argumentierte, dass wir einen freien Willen haben, aber dass Gottes Gnade notwendig ist, damit wir das Gute wählen können“, sagt Dr. Vance. „Wir sind durch die Erbsünde verwundet, daher ist unser Wille geschwächt. Göttliche Gnade heilt unseren Willen und erlaubt uns, uns Gott zuzuwenden.“ Philosophische Anmerkung: Augustinus' Ansichten über Gnade und freien Willen werden seit Jahrhunderten von Theologen debattiert.

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Augustinus dachte auch über die Natur der Zeit nach. Er argumentierte, dass Zeit nichts ist, das unabhängig von uns existiert, sondern etwas, das von unserem Geist erschaffen wird. „Bevor Gott die Welt erschuf, gab es keine Zeit“, erklärt Professor Vance. „Die Zeit begann mit der Schöpfung. Gott existiert außerhalb der Zeit, in der Ewigkeit.“ Philosophie-Anmerkung: Augustinus’ Zeitkonzept beeinflusste spätere Philosophen wie Immanuel Kant.

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Augustins Ideen wurden über die Jahrhunderte kritisiert. Einige finden seine Ansichten über die Erbsünde übermäßig pessimistisch. Andere stellen seine Betonung der göttlichen Gnade in Frage. „Dr. Vance sagt: „Seine Ideen über die Prädestination waren besonders umstritten. Aber selbst seine Kritiker erkennen seinen tiefgreifenden Einfluss an. Wie Isaac Newton sagte: ‚Wenn ich weiter gesehen habe, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stand.‘ Augustin ist zweifellos einer dieser Riesen. Seine Gedanken legten den Grundstein für einen Großteil des westlichen Denkens, insbesondere in den Bereichen Moral, Sünde und dem Konzept des Selbst.““ Philosophie-Hinweis: Augustins Schriften werden weiterhin in Philosophie- und Theologiekursen weltweit studiert und diskutiert.

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Obwohl Augustinus vor Jahrhunderten lebte, sind seine Fragen immer noch relevant. Wir ringen weiterhin mit unseren inneren Kämpfen, der Suche nach Sinn und der Beziehung zwischen Glaube und Vernunft. „Professor Vance schließt: „Augustinus erinnert uns daran, dass die menschliche Existenz sowohl großes Potenzial als auch tiefe Begrenzung birgt. Er ermutigt uns, nach dem Guten zu streben, auch wenn wir unsere Fehler anerkennen.““ Philosophische Anmerkung: Augustinus’ „Bekenntnisse“ bleibt ein beliebtes und einflussreiches Buch für diejenigen, die spirituelle Einsicht suchen.