Mother Holle

Greta und Elara waren Schwestern, so unterschiedlich wie Honig und Asche. Greta, süß und hell, schuftete unermüdlich, während Elara, bevorzugt und grausam, jeden ihrer Bemühungen verspottete. Ihre Bäckerei war nicht nur ein Laden voller verlockender Düfte; sie barg Türen, die durch geheime Rezepte geöffnet wurden, jede führte in unbekannte Reiche. Aber das Reich von Frau Holle, wo Gold und Asche warten, verlangte eine Wahl – Freundlichkeit oder Verachtung.

Eines drückend heißen Nachmittags saß Greta am Brunnen und spann Wolle. „Beeil dich, Mädchen!“, schnauzte Elara. „Die Kunden warten nicht auf Träume!“ Greta seufzte, und als sie sich vorbeugte, glitt ihr die Spindel aus den müden Fingern und fiel ins dunkle Wasser. Elara tobte: „Tölpelhafte Narren! Hol sie jetzt, oder du schläfst bei den Ratten!“

Angst wich der Entschlossenheit. Greta kannte die Geschichten: Gold erwartete diejenigen, die dienten, aber Grausamkeit brachte Verderben. Sie stürzte sich in die eisigen Tiefen des Brunnens. Hinab, hinab schwamm sie, die Welt über ihr verblasste zu einer fernen Erinnerung. Sie erreichte schließlich den Grund, umklammerte die Spindel – und fand nicht den schlammigen Boden, sondern einen schimmernden, lichtdurchfluteten Gang.

Greta betrat ein fremdes Land, wo Öfen sie riefen. „Zieh mich raus!“, rief einer, dessen Tür sich wölbte. „Sonst verbrennt mein Brot!“ Greta zögerte, denn der Ofen war schwer und heiß. Doch als sie sich den süßen Duft des Brotes aus ihrer eigenen Bäckerei erinnerte, riss sie die Tür auf und zog eine Ladung perfekt goldener Brote heraus.

Weiter hinten ächzte ein Apfelbaum unter der Last seiner reifen Früchte. „Schüttel mich!“, flehte er. „Meine Äste werden brechen!“ Elaras Stimme hallte in Gretas Gedanken wider und drängte sie, die Last zu ignorieren. Doch Greta erinnerte sich an die herbe Süße von Apfelkuchen und schüttelte mit gütigem Herzen den Baum, bis jeder Apfel herunterfiel.

Schließlich erreichte sie ein Häuschen. Eine freundliche, uralte Frau mit schneeweißem Haar saß am Fenster und spann. „Willkommen, Greta“, sagte Frau Holle, ihre Stimme klang wie das Rascheln von Blättern. „Du hast dich als würdig erwiesen. Nun hilf mir bei meinen Aufgaben und verdiene dir deine Belohnung.“

„Was muss ich tun?“, fragte Greta. Frau Holle lächelte. „Jeden Tag musst du meine Federbetten ausschütteln. Wenn die Federn fliegen, schneit es auf der Erde. Tue dies treu, und dein Wert wird strahlen.“ Greta lächelte und erinnerte sich an ein Zitat von Maya Angelou: „Nichts wird funktionieren, wenn du es nicht tust.“ Und ich werde arbeiten, und meine Freundlichkeit wird strahlen.

Viele Monate lang schüttelte Greta die Betten. Sie arbeitete mit Fleiß und reinem Herzen. Eines Tages erklärte Frau Holle: „Deine Zeit ist um. Wähle deinen Lohn.“ Elaras Bild blitzte in Gretas Gedanken auf, gierig und neidisch. Mit einem tiefen Atemzug sagte Greta: „Ich wünsche mir nur, nach Hause zurückzukehren.“

Als Greta durch die Tür trat, regnete Gold auf sie herab und bedeckte sie von Kopf bis Fuß. „Das ist für deine Freundlichkeit“, rief Frau Holle. Greta kehrte strahlend und reich in die Bäckerei zurück. Als Elara Gretas Glück sah, verzehrte sie sich vor Neid und verlangte, ebenfalls zu Frau Holle zu gehen. Sie sprang in den Brunnen, in der Hoffnung auf leichten Reichtum.

Elara jedoch weigerte sich zu arbeiten. Sie war unhöflich, faul und verächtlich. Als sie zurückkam, fiel nicht Gold, sondern Asche auf sie, die an ihrer Haut und Seele klebte. Die Asche konnte niemals abgewaschen werden. Und so backte Greta weiter, ihre Freundlichkeit ein Licht in der Bäckerei, während Elara für immer von ihrer Gier gezeichnet blieb. In ihrer Familie und Nachbarschaft erinnerten sich alle daran, dass wahrer Reichtum in einem gütigen Herzen liegt.