The Red Etin

In einer bemalten Wüste, wo der Sand in tausend Farbtönen schimmerte, lebten drei Schwestern: Goldbaum, Silberbaum und Weißbaum. Goldbaum, die Älteste, besaß ein Herz von schimmernder Gier; Silberbaum, einen Geist von neidischem Stolz; und Weißbaum, die Jüngste, eine Seele von stiller Tapferkeit. Gerüchte, vom Wind getragen, sprachen vom Roten Etin, einem monströsen Riesen, der in einem Knochenschloss wohnte und eine Quelle ewiger Jugend bewachte. Nur eine Schwester, so hieß es, könne ihn besiegen, aber zu einem schrecklichen Preis.

„Ich werde gehen“, erklärte Goldtree, ihre Augen glänzten wie die Dünen selbst. „Die Jugend der Quelle wird mein sein!“ Sie sammelte Vorräte, ihr Rucksack quoll über mit goldenem Schmuck, den sie nicht zurücklassen konnte. Silver-tree spottete. „Glaubst du, Juwelen können den Sieg kaufen? Ich werde den Etin mit meiner Schönheit bezaubern, und die Quelle wird uns gehören.“

Whitetree sah ihren Schwestern beim Aufbruch zu, ihr Herz war schwer. Sie kannte die Fehler ihrer Schwestern, ihre Gier und ihren Stolz. Bevor Goldtree ging, bot Whitetree ihr einen einfachen Laib Brot und einen kleinen, abgenutzten Spiegel an. „Nimm diese, Schwester. Denk daran, wahre Stärke liegt nicht in Reichtum, sondern in Freundlichkeit und Selbstkenntnis.“

Goldtree reiste weit, das Knochenschloss rückte immer näher. Sie traf eine alte Frau, die um Essen bettelte. „Einen Krümel, schöne Reisende?“, flehte die Alte. Goldtree umklammerte ihre goldenen Schmuckstücke fester. „Ich habe kein Essen für Bettler übrig“, höhnte sie und eilte weiter.

Silberbaum, geschmückt in ihrem schimmernden Gewand, traf an den Burgtoren ein. Sie fand die Wachen des Etin, groteske Kreaturen aus Knochen und Schatten. „Ich bin eine Prinzessin von unvergleichlicher Schönheit“, verkündete sie, ihre Stimme wie klingelnde Glöckchen. „Bringt mich zu eurem Meister, damit er meine Anmut bewundern kann.“ Doch die Wachen lachten nur, ihre Stimmen wie klappernde Knochen, und versperrten ihr den Weg.

Whitetree, die ihren Schwestern folgte, sah die alte Frau, die Goldtree abgewiesen hatte. Sie bot ihr den Laib Brot an. „Ich habe wenig, aber was ich habe, teile ich gerne“, sagte sie sanft. Die alte Frau lächelte und zeigte einen einzelnen goldenen Zahn. „Freundlichkeit bleibt nie unbelohnt“, krächzte sie. „Nimm dies“, bot sie Whitetree einen kleinen, angelaufenen Schlüssel an.

Silberbaum, erzürnt über die Weigerung der Wachen, versuchte sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen, wobei ihr silbernes Gewand an dem scharfen Knochen zerriss. Doch die Wachen waren zu stark und warfen sie in eine dunkle Grube. Verzweiflung überkam sie. „Wie Seneca sagte“, weinte sie, „‚Jeder neue Anfang kommt vom Ende eines anderen Anfangs.‘ Ich war zu stolz, um neu anzufangen.“

Whitetree erreichte das Schloss und sah die Notlage von Silvertree. Sie benutzte den angelaufenen Schlüssel, um die Grube aufzuschließen. „Schwester, komm!“, drängte sie. Silvertree, gedemütigt und beschämt, nahm Whitetrees Hand. Gemeinsam gingen sie weiter in Richtung des Verstecks des Etin. Aber Goldtree war nirgends zu sehen.

Im Inneren des Schlosses fanden sie Goldtree, verwandelt in eine goldene Statue, für immer eingefroren in ihrer Gier. Der Etin lag besiegt da, erschlagen nicht durch Stärke oder Schönheit, sondern durch seine eigene Eitelkeit, getäuscht, sein Spiegelbild in Whitetrees Spiegel zu bewundern. Vor ihnen schimmerte die Quelle. Whitetree goss ohne Zögern das Wasser der Jugend über ihre Schwestern und stellte beide wieder her, im Verständnis, dass wahre Stärke in Mitgefühl liegt.

Die Schwestern kehrten in ihre bemalte Wüste zurück, für immer verändert. Goldbaum, nicht länger von Gier verzehrt; Silberbaum, befreit von den Ketten des Stolzes; und Weißbaum, deren Mut sich bewiesen hatte, doch für immer demütig. Und so flüsterten die Wüstenwinde eine neue Wahrheit: Die wahren Schätze sind jene, die wir teilen, und Selbsterkenntnis kann mehr wert sein als alles Gold der Welt.