The Shepherd of Myddvai

The Shepherd of Myddvai — cover The Shepherd of Myddvai — page 1

Im Dorf Myddvai, hoch oben zwischen uralten Bäumen und verbunden durch Regenbogenbrücken, lebte ein Schäfer namens Rhys. Er war bekannt für sein sanftes Herz und seine Liebe zu den Hügeln. Doch Rhys sehnte sich nach etwas mehr, einer Magie, die er im flüsternden Wind und raschelnden Blättern spürte. Er wusste nicht, dass ein Wassergeist sein Leben für immer verändern würde, indem er ihm eine Liebe anbot, die sowohl wundersam als auch an alte Regeln gebunden war.

The Shepherd of Myddvai — page 2

Rhys hütete seine Schafe an den Ufern des Llyn y Fan Fach, eines Sees, der wie ein Spiegel schimmerte und den Himmel widerspiegelte. Eines Tages wühlte ein Sturm die Wasser auf, und aus den Tiefen tauchte eine Erscheinung auf. Eine Jungfrau, strahlend und ätherisch, erhob sich aus den Wellen. Ihre Stimme erklang wie das süßeste Lied: „Fürchte dich nicht, Hirte, denn ich bin eine der Tylwyth Teg, eine Bewohnerin dieser Gewässer“, erklärte sie, ihre Augen wie die tiefen Becken des Sees.

The Shepherd of Myddvai — page 3

„Ich bin Myfanwy“, sagte sie und schenkte Rhys ein sanftes Lächeln. „Und ich bin gekommen, um dir eine Wahl anzubieten.“ Sie hielt ein Brot hin, gebacken aus feinstem Weizen und durchdrungen von der Magie des Sees. „Wenn du dieses Brot von einem unterscheiden kannst, das von sterblichen Händen gebacken wurde, werde ich deine Frau sein“, verkündete sie, ihre Stimme eine sanfte Melodie. „Aber wisse dies, es gibt Regeln, die nicht gebrochen werden können.“

The Shepherd of Myddvai — page 4

Rhys, angezogen von ihrer Schönheit und gefangen vom Zauber in ihren Augen, nahm die Herausforderung an. Er schloss die Augen, atmete den Duft ein und kostete vorsichtig einen Krümel. Aber alle Brote waren exakt identisch! Myfanwy lächelte. „Du hast ein gütiges Herz, Hirte. Und Güte ist eine Eigenschaft, die geschätzt werden sollte“, sagte sie. Sie wurden vermählt, und Rhys brachte seine Wassergeist-Braut zurück in sein Baumhaus in Myddvai.

The Shepherd of Myddvai — page 5

Sie lebten in Glückseligkeit und zogen drei wunderschöne Kinder auf, jedes von der Magie beider Welten berührt. Aber die Tylwyth Teg sind an alte Gesetze gebunden. Eines Tages schlug Rhys Myfanwy leicht mit seinem Handschuh im Scherz. „Ach, aber mir wurde gesagt, dass ein trivialer Streit auch eine tödliche Warnung sein kann“, bemerkte ein Nachbar. Myfanwy sah ihn ernst an, eine Traurigkeit schlich sich in ihre Augen.

The Shepherd of Myddvai — page 6

„Erinnere dich, was der amerikanische Präsident Franklin Roosevelt einmal sagte, Rhys – ‚Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst‘“, sagte Myfanwy sanft. Aber der Schaden war angerichtet. „Der zweite Schlag wird mein Gehen signalisieren“, warnte sie. Und tatsächlich, als Rhys sie das nächste Mal versehentlich schlug, begann das magische Band zu verblassen. Myfanwy bereitete sich darauf vor, zum See zurückzukehren. Ihre Zeit über der Oberfläche ging zu Ende.

The Shepherd of Myddvai — page 7

Bevor sie ging, sagte Myfanwy zu Rhys: „Wenn du jemals Führung brauchst, suche unsere Söhne auf. Der eine wird ein großer Heiler sein, der andere ein geschickter Kräuterkundler. Sie werden das Wissen beider Welten in sich tragen.“ Mit einer letzten Umarmung ging sie auf den See zu. „Folgt mir, meine Kinder“, rief sie und verschwand unter den Wellen.

The Shepherd of Myddvai — page 8

Jahre vergingen, und Rhys, geleitet von seinen Söhnen, wurde selbst ein angesehener Heiler und Kräuterkundiger. Er half unzähligen Dorfbewohnern, indem er das Wissen nutzte, das ihm von seiner Wassergeist-Frau überliefert worden war. Eines Tages fegte eine Pest durch Myddvai, und viele erkrankten. Rhys wusste, dass er ein Heilmittel brauchte, aber der Wald barg die Geheimnisse.

The Shepherd of Myddvai — page 9

Den Worten Myfanwys gedenkend, wagte sich Rhys ins Unbekannte und suchte die Heilung unter den alten Bäumen. Er fand eine seltene Blume, die mit einem schwachen blauen Licht leuchtete, tief in einer Höhle verborgen. Als er danach griff, verstand er. Die größte Magie lag nicht im Wasser oder in den Blumen, sondern in der Liebe und dem Wissen, das zwischen den Welten geteilt wurde. Mit zitternden Händen pflückte er die Blume.

The Shepherd of Myddvai — page 10

Die Heilung rettete Myddvai, und Rhys lebte seine Tage umgeben von seiner Familie und der Schönheit der Hügel. Obwohl Myfanwy nicht mehr da war, lebte ihr Erbe in der Weisheit und Güte ihrer Kinder weiter. Und das Gold, das er in der Magie suchte, war genau das, was ihm zeigte, was er bereits besaß.