The Three Heads of the Well

The Three Heads of the Well — cover The Three Heads of the Well — page 1

In einem Labyrinth aus Spiegeln und Nebel stand der Brunnen des Flüsterns. Drei Schwestern bewachten seine Tiefen: Anya, die gütigste; Brinna, die schönste; und Kara, deren Herz von Neid überschattet war. Jede Schwester besaß einen Kopf, der denen, die es wagten, ihn zu suchen, eine andere Wahrheit offenbarte. Aber nur eine Seele, frei von Täuschung, konnte wahren Trost in seinen Spiegelungen finden, oder war dazu verdammt, für immer im Labyrinth zu wandern.

The Three Heads of the Well — page 2

Elara, eine junge Frau, die von einem Kindheitsverrat heimgesucht wurde, betrat das Labyrinth. „Ich suche Klarheit, nicht Gold“, erklärte sie der leeren Luft, ihre Stimme hallte zwischen dem Glas wider. Ihr Wunsch war einfach: zu verstehen, warum ihr Kindheitsfreund ihr Vertrauen missbraucht hatte. Sie trug nur eine einzelne weiße Rose, ein Symbol der Unschuld, die sie verloren zu haben glaubte.

The Three Heads of the Well — page 3

Anya begrüßte Elara mit einem sanften Lächeln. „Willkommen, Sucherin. Wisse, dass ‚eine Reise von tausend Meilen mit einem einzigen Schritt beginnt‘, wie Lao Tzu einst sagte. Welche Wahrheit suchst du im Brunnen?“ Elara überreichte die Rose. „Die Wahrheit des Verrats und die Vergebung, die ich nicht finden kann.“

The Three Heads of the Well — page 4

Als Elara sich dem Brunnen näherte, trat Brinna vor, deren Schönheit einen blendenden Kontrast zu Anyas sanftem Wesen bildete. „Vergebung ist ein Narrenspiel, Kind“, schnurrte Brinna, ihre Stimme wie vergifteter Honig. „Rache ist die süßere Frucht. Sieh mir ins Gesicht, und ich werde dir zeigen, wie du dir nimmst, was rechtmäßig dir gehört.“ Sie hielt einen vergoldeten Dolch hin.

The Three Heads of the Well — page 5

Elara zögerte, angezogen vom Versprechen der Vergeltung. „Aber was ist mit Gerechtigkeit?“, fragte sie, ihre Stimme kaum ein Flüstern. Brinna lachte, ein erschreckender Klang, der durch das Labyrinth hallte. „Gerechtigkeit ist eine Lüge, die von den Schwachen geflüstert wird. Nimm den Dolch und koste die Macht, die dir gehört.“ Sie streckte ihre Hand aus, die vergoldete Waffe glänzte, ein Wolf im Schafspelz.

The Three Heads of the Well — page 6

Ein eisiger Wind fegte durch das Labyrinth, als Kara aus den Schatten trat, ihr Gesicht von Neid verzerrt. „Narren, ihr beide!“, zischte sie, ihre Stimme wie Nägel auf Glas. „Macht wird nicht ergriffen, sie wird verdient! Der Brunnen zeigt nur die Wahrheit, und ihr versucht, ihn mit Rache und Lügen zu verderben.“ Sie entriss Brinna den Dolch, ein Wirbelwind der Gefühle.

The Three Heads of the Well — page 7

„Neid ist die Kunst, die Segnungen des anderen zu zählen, anstatt die eigenen“, spuckte Kara und zitierte Harold Coffin, während sie die weiße Rose in ihrer Hand zerdrückte. Die Blütenblätter fielen wie Schnee, blutrot gefärbt von einem einzigen Blutstropfen. „Der Brunnen verlangt Ehrlichkeit, keine falschen Versprechen der Vergebung. Du versuchst, die Vergangenheit neu zu schreiben, aber die Vergangenheit ist unveränderlich.“

The Three Heads of the Well — page 8

Elara stolperte, untröstlich, zum Brunnen. Sie blickte in seine Tiefen und erwartete, das Gesicht ihres Verräters zu sehen, ihre eigenen Züge von Schmerz verzerrt. Stattdessen sah sie eine jüngere Version von sich selbst, lachend, sorglos, das Bild ihrer Freundin neben sich. Es war nicht das Gesicht der Bosheit, sondern eines voller Angst und Bedauern.

The Three Heads of the Well — page 9

Anya trat vor und reichte Elara ein einziges, unversehrtes Blütenblatt von der zerdrückten Rose. „Vergebung löscht die Vergangenheit nicht aus, aber sie vergrößert die Zukunft“, flüsterte sie. Elara nahm das Blütenblatt, ihre Finger zitterten. Eine leichte Wärme breitete sich in ihr aus, ein Gefühl des Friedens, das sie seit Jahren nicht mehr empfunden hatte. Der Brunnen leuchtete.

The Three Heads of the Well — page 10

Elara verließ das Labyrinth, das Blütenblatt sicher in ihrer Tasche verstaut. Sie wusste, dass sie den Verrat ihrer Freundin niemals ganz verstehen würde, aber sie konnte wählen, sich aus seinem Griff zu befreien. Und dabei fand sie den Trost, den sie gesucht hatte, nicht in Rache, sondern in der Kraft zu vergeben. Die Spiegel flüsterten ihren Namen, als sie wegging.