The Troll’s Daughter — Auf Deutsch lesen
Die Titel der Geschichten stehen noch auf Englisch; der Text jeder Geschichte ist auf Deutsch.

Auf einer vulkanischen Insel, wo Feuerblumen blühten, lebte Astrid, die Tochter des Trollkönigs. Anders als ihre Artgenossen besaß Astrid ein sanftes Herz und eine Sehnsucht nach der Welt oben. Grimbrand, der Dorfälteste, beobachtete sie mit wachsamen Augen, denn der Berg barg sowohl Schönheit als auch Gefahr. Ein Fluch flüsterte im Wind: Nur ein Herz aus Feuer könnte die beiden Welten verbinden oder sie beide dem Untergang weihen.

Astrids Vater, der Trollkönig, grollte: „Warum verschwendest du deine Zeit mit diesen Weichhäutern? Sie fürchten uns.“ Astrid seufzte und pflegte ihren Garten aus Feuerblumen. „Sie verstehen uns nicht, Vater. Aber Verständnis kann erblühen, so wie diese.“ Der König spottete und zerquetschte eine Blume unter seinem steinernen Fuß. „Verständnis ist Schwäche, Astrid. Stärke ist alles, was zählt.“

„Bleib unserem Dorf fern, Troll“, warnte Grimbrand, seine Stimme zitterte leicht. Astrid senkte den Kopf. „Ich wollte nur diese Blumen anbieten. Sie gedeihen sogar hier, Ältester.“ Er zeigte mit einem knorrigen Finger: „Meine Großmutter pflegte zu sagen: ‚Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.‘ Die Blumen bringen Feuer, und Feuer wird Verderben bringen.“

Eines Tages grollte der Vulkan, und eine Spalte öffnete sich, die drohte, das Dorf zu verschlingen. „Wir sind verloren!“, rief ein Dorfbewohner, als die Lava näher kroch. Astrid wusste, was sie zu tun hatte. Sie rannte zu der Spalte und begann, Feuerblumen an ihren Rändern zu pflanzen, wodurch eine lebendige, leuchtende Barriere entstand.

Ihr Vater kam aus dem Berg, die Augen vor Wut glühend. „Du hilfst ihnen, Astrid? Das sind die Kreaturen, die uns verachten!“ Astrid blieb standhaft. „Sie sind in Gefahr, Vater. Sogar Trolle empfinden Angst.“ Der König hob die Hand, ein Zittern erschütterte den Boden. „Dann fühle meinen Zorn!“

Der König entfesselte eine Hitzewelle, um die Blumen und mit ihnen das Dorf zu verbrennen. Stattdessen absorbierten die Blumen die Energie, ihr Leuchten verstärkte sich. Grimbrand sah voller Ehrfurcht zu. „Die Blumen… sie ernähren sich von der Hitze!“, rief er aus. Astrid erkannte die Wahrheit: Die Blumen trugen das Herz des Vulkans in sich, ein Gleichgewicht aus Zerstörung und Leben.

„Wähle, Astrid!“, brüllte ihr Vater. „Deine Sippe, oder diese... Menschen?“ Astrid blickte die verängstigten Dorfbewohner an, dann wieder auf das verhärtete Gesicht ihres Vaters. Sie erinnerte sich an etwas, das ihre Mutter ihr gesagt hatte. „Liebe ist nicht Besitz, sie ist Wertschätzung.“ Astrid atmete tief durch. „Ich wähle... das Gleichgewicht, Vater.“

Da der König ihre Wahl nicht akzeptieren wollte, stürmte er auf Astrid zu, mit der Absicht, sie zurück in den Berg zu zerren. Doch als er nach ihr griff, brachen die Feuerblumen in einem blendenden Licht aus. Er zuckte zurück und umklammerte seine Brust. Astrid rief: „Vater! Die Blumen… sie weisen deine Wut zurück!“

Der König stolperte besiegt zurück. Er sah Astrid an, ein Aufblitzen von Verständnis in ihren Augen. Mit einem letzten Grollen zog er sich in den Berg zurück. Astrid wandte sich den Dorfbewohnern zu und schenkte ihnen ein sanftes Lächeln. Der Vulkan beruhigte sich, der Riss wurde von den Wurzeln der Feuerblumen versiegelt, eine Brücke des Lebens, wo einst nur Trennung war.

Von diesem Tag an wurde Astrid als das Herz des Feuers bekannt, die Brücke zwischen zwei Welten. Sie lehrte die Dorfbewohner, die Macht des Berges zu respektieren, und die Trolle, die Schönheit der Welt oben zu verstehen. Und so blühte auf der Vulkaninsel das Leben, sowohl oben als auch unten, ein Zeugnis der Kraft des Verständnisses und des Mutes, Liebe über Angst zu wählen.