The Twelve Months — Auf Deutsch lesen
Die Titel der Geschichten stehen noch auf Englisch; der Text jeder Geschichte ist auf Deutsch.

In einem Wald wie kein anderer, wo Eichhörnchen Brillen trugen und Eulen über Philosophie debattierten, lebten Maruschka, ein freundliches Mädchen mit einem Herzen voller Lieder, und ihre Stiefmutter, eine Frau, deren Herz so kalt war wie der Winterwind. Das Gesetz des alten Königs Wenzel forderte Winterblumen. Maruschkas unmöglicher Wunsch setzte eine gefährliche Reise in Gang. Dies ist die Geschichte, wie sie die wahren Jahreszeiten entdeckte – und die Kraft der Freundlichkeit angesichts grausamer Gier.

Der Schnee knirschte unter Maruschkas abgetragenen Stiefeln, als sie mit leerem Korb nach Hause ging. „Wo sind die Veilchen, Mädchen?“, kreischte ihre Stiefmutter und packte Maruschkas Arm. „Der König verlangt sie. Du wirst nicht essen, bis du sie zurückbringst.“ Ihre Stiefschwester Holena höhnte und warf dem Hund einen Brotkrusten zu. Maruschka warf einen sehnsüchtigen Blick auf das Brot, bevor sie sich wieder in den Wald wandte.

Verloren und zitternd weinte Maruschka. Sie irrte tiefer in den Wald, als ein Lichtschimmer ihre Aufmerksamkeit erregte. „Mit wem wir sind, der werden wir“, flüsterte sie und erinnerte sich an etwas, das ihre Mutter immer zu sagen pflegte. Es stammte ursprünglich von Goethe, hatte ihre Mutter einmal erklärt. Vor ihr, eingebettet zwischen den schneebedeckten Kiefern, standen zwölf Gestalten, die ein Lagerfeuer umkreisten, ihre Gesichter von den flackernden Flammen erleuchtet.

„Wer wagt es, den Rat der Monate zu stören?“, donnerte Januar, seine Stimme wie knackendes Eis. Maruschka kniete zitternd vor ihnen. „Verzeiht mir, gütige Herren. Meine Stiefmutter verlangt Veilchen, aber der Winter hält sie fest.“ April, gehüllt in knospendes Grün, lächelte sanft. „Der König prüft dich. Er will das Unmögliche.“ Er hielt eine goldene Münze hin.

Marushka schüttelte den Kopf. „Gold wird ein grausames Herz nicht füllen“, beharrte sie. Der Februar, eingehüllt in wirbelnden Schnee, trat vor. „Ich leihe dir ein warmes Fell.“ Er beschwor ein weißes Fell aus dem Äther. „Vielleicht solltest du umkehren. Der Wald birgt viele Wölfe, Kleine. Kehre heim, Wärme erwartet dich.“

Wieder weigerte sich Marushka. Der März, umhüllt von stürmischen Winden, seufzte. „So sei es. Die Prüfung der Freundlichkeit ist die größte von allen. Wende dich ab, und du wirst für immer ein Teil des Waldes werden.“

„Freundlichkeit ist keine Schwäche“, rief Marushka. Der Wind legte sich. März nickte. „Sehr wohl. April, du bist dran.“ April trat vor und winkte mit der Hand. Der Wald um Marushka herum blühte mit Veilchen, deren zarter Duft die Luft erfüllte. „Füll deinen Korb, Kind“, sagte April sanft. „Aber denk daran, dieses Geschenk hat seinen Preis.“

Marushka eilte nach Hause, ihr Korb überquellend. Sie überreichte ihrer Stiefmutter die Veilchen, die sie mit gierigen Händen an sich riss. „Wo hast du die gefunden, du Elende?“, verlangte Holena zu wissen. „Ich werde mehr finden“, sagte Marushka leise. Am nächsten Tag kehrte Holena zur Lichtung zurück. Schließlich gilt: „Wissen ist nicht genug; wir müssen anwenden“ – wie Goethe sagte.

Holena verlangte von den Monaten, ihr Schmuck zu gewähren. Die Monate, erzürnt über ihre Gier, entfesselten einen Schneesturm. Holena, verloren und erfroren, wurde zu einer Eisstatue, für immer im Winter gefangen. Marushka, Holenas Schicksal sehend, weinte. Der Wald, ihre wahre Trauer hörend, wurde sanfter. Die Monate versammelten sich und weinten mit ihr.

Die Monate befreiten Holena aus ihrem eisigen Gefängnis, aber sie war verändert. Ihr wurde die Güte zuteil, alle Monate anzusehen und ihre Kämpfe zu verstehen. Marushka lernte, ihre Gaben zum Guten einzusetzen, sie zu teilen und ihre Wege zu lehren. Und so blühte Marushka auf. Denn in einer Welt, die Gier forderte, war es ihr Herz, das eine einfache Wahrheit verstand: Die Härte des Winters macht Platz für die Schönheit des Frühlings. Gegebene Freundlichkeit wird erwidert.