The Ugly Duckling — Auf Deutsch lesen
Die Titel der Geschichten stehen noch auf Englisch; der Text jeder Geschichte ist auf Deutsch.

Tief in der Erde, wo Edelsteinhöhlen vom Rauschen unsichtbarer Flüsse widerhallten, lebten die Flussgeborenen. Unter ihnen waren drei: Mutter Cygnus, Beschützerin des Flusslaufs; Scoria, der Schelm, der die glitzernden Schätze der Höhle hortete; und schließlich die kleine Aella, geboren anders als alle anderen. Ihr Herz sehnte sich nach einer Welt jenseits des glitzernden Steins, einer Welt, von der in alten Höhlenliedern geflüstert wurde – einem Ort der Sonne und des Himmels, einem Ort, mit dem sie sich unerklärlicherweise verbunden fühlte, trotz der kalten Umarmung des Flusses.

„Sie ist eine Plage, Cygnus!“, zischte Scoria, seine Stimme hallte von den Höhlenwänden wider. „Ein Albino – ein Fluch für den Fluss!“ Mutter Cygnus streichelte sanft Aellas flaumiges Köpfchen. „Jedes Leben hat Wert, Scoria. Sie ist Flussgeboren, genau wie wir.“ Doch Gerüchte folgten Aella durch die Höhlen, kalt wie die Strömung des Flusses. Sie spürte den Stich der Isolation, ihr weißes Gefieder eine ständige Erinnerung an ihre Andersartigkeit.

Eines Tages, als Aella den tiefsten Teil der Höhlen erkundete, stieß sie auf eine verborgene Grotte. Ein einzelner Stein, warm und golden, pulsierte mit einem Licht, das anders war als das irgendeines Höhlenkristalls. „Der Sonnenstein“, flüsterte eine Stimme. Erschrocken sah sie sich um. Ein uralter Flussgeborener, dessen Haut wie verwitterter Fels aussah, trat aus den Schatten. „Bewahre es als Geheimnis, Kleine. Es birgt die Erinnerung an die Welt oben.“

Scoria, misstrauisch gegenüber Aellas heimlichen Ausflügen, stellte sie zur Rede. „Was verbirgst du, Albino?“, knurrte er, seine Augen gierig glitzernd. Aella zögerte und umklammerte den Sonnenstein, der unter ihrer Tunika verborgen war. Er bot ihr ein glitzerndes Juwel an, größer als ihr Kopf. „Gib mir dein Geheimnis, und ich gebe dir Reichtum jenseits aller Vorstellungskraft.“ Der Sonnenstein fühlte sich warm an ihrer Brust an.

„Nein“, sagte Aella, ihre Stimme zitternd, aber fest. „Das ist nicht deins, um es dir zu nehmen.“ Scoria sprang vor und zerriss ihre Tunika. Der Sonnenstein fiel zu Boden, sein goldenes Licht blendete ihn für einen Moment. Er brüllte vor Wut, stolperte dann zurück und hielt sich die Augen. Das Juwel, das er angeboten hatte, zerfiel in seinen Händen zu wertlosem Staub.

Mutter Cygnus kam an, ihre Augen waren voller Trauer. „Scoria, deine Gier hat den Fluss vergiftet“, sagte sie, ihre Stimme hallte voller Kraft wider. Der Boden bebte. Ein Riss öffnete sich und verschluckte Scoria und den Staub, der einst ein Edelstein gewesen war. „Er hat vergessen“, seufzte Cygnus und wandte sich an Aella, „‚Die Liebe zum Geld ist die Wurzel aller Arten des Bösen‘, wie der Apostel Paulus sagte. Scorias Ehrgeiz hat ihn geblendet.“

Tage wurden zu Wochen, und Aella pflegte den Sonnenstein und lernte seine Geheimnisse. Die uralten Flussgeborenen erzählten ihr, dass die Welt oben ihr Licht brauchte. Aber Mutter Cygnus verbot ihr den Aufbruch. „Die Oberfläche ist nichts für uns, Aella. Unser Platz ist hier, beim Fluss.“ Doch der Stein sang ein anderes Lied, ein Lied von Wärme und offenem Himmel.

Aella stand vor ihrer Mutter, der Sonnenstein glühte in ihren Händen. „Ich muss gehen, Mutter. Die Welt über uns ruft mich.“ Mutter Cygnus sah sie an, ihre Augen voller Liebe und Resignation. Sie legte eine Hand auf Aellas Kopf. „Dann geh, Kleine. Aber vergiss niemals den Fluss, der in dir fließt.“

Aella folgte dem Licht auf den Spalt in der Höhlendecke zu. Sie zwängte sich hindurch und blinzelte, als die Sonne hereinströmte. Es war blendend, ungewohnt. Aella betrachtete ihr Spiegelbild in einer Wasserpfütze. Nicht länger ein flaumiges Entlein, sondern ein anmutiger Schwan, dessen weiße Federn in der Sonne glänzten.

Aella breitete ihre Flügel aus und schwebte davon, die Edelsteinhöhlen hinter sich lassend. Sie trug die Erinnerung an den Sonnenstein, die Stärke des Flusses und ihren eigenen Mut in die Welt hinaus. Das Licht, nach dem sie sich einst gesehnt hatte, strahlte nun aus ihrem Inneren. Und obwohl Scorias Gier ihn verzehrt hatte, wusste Aella: „Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben: nur Licht kann das“, wie Martin Luther King Junior einst sagte. Ihre Andersartigkeit war ihre Stärke.