The Water of Life — Auf Deutsch lesen
Die Titel der Geschichten stehen noch auf Englisch; der Text jeder Geschichte ist auf Deutsch.

In einem Königreich, das aus Edelsteinhöhlen gehauen war und vom Klang unterirdischer Flüsse widerhallte, lebte König Oberon, dessen Lachen das Licht des Königreichs war. Doch ein Schatten fiel, als der König erkrankte, sein Geist schwand wie eine sterbende Glut. Nur das legendäre Wasser des Lebens, das an der Quelle des Flüsternwind-Flusses zu finden war, konnte ihn wiederherstellen. Zwei Prinzen, Lothar der Kühne und Elara die Nachdenkliche, hegten beide einen geheimen Wunsch nach dem Thron, und nur einer würde die Tiefen wagen, um ihren Vater zu retten.

Lothar, begierig seinen Wert zu beweisen, erklärte: „Ich werde das Wasser des Lebens zurückbringen! Meine Stärke wird jedes Hindernis überwinden.“ Elara, ruhiger, aber nicht weniger entschlossen, sagte: „Ich werde auch gehen, Vater. Vielleicht wird ein sanfterer Ansatz Erfolg haben, wo Gewalt versagt.“

Bevor sie aufbrachen, überreichte der königliche Kartograph Elara eine alte Schriftrolle. „Diese Karte“, krächzte der alte Mann, „zeigt die verborgenen Pfade durch die Höhlen. Man sagt, das Wasser des Lebens reagiert nur auf jene, die die Geheimnisse des Flusses verstehen.“ Elara untersuchte das spröde Pergament, ein Netzwerk schimmernder Linien, gezeichnet mit etwas, das wie zerstoßene Edelsteine aussah.

Lothar, ungeduldig, spottete über die Karte. „Karten sind für die Schwachen! Ich nehme den direkten Weg. Der Fluss fließt abwärts; ich folge ihm einfach.“ Er stürzte in einen dunklen Tunnel, seine Rüstung klirrte gegen die Höhlenwände. Bald stieß er auf eine schimmernde Ader aus reinem Gold.

Eine Stimme dröhnte: „Nimm das Gold, Prinz. Es wird dir alles kaufen, was du begehrst, sogar den Thron.“ Vor ihm stand ein riesiger Golem aus Edelsteinen und Schatten. „Ich will das Wasser des Lebens“, erklärte Lothar. „Gib es mir!“ „Zuerst“, krächzte der Golem, „eine Opfergabe: deine Stärke. Ein einziger Schlag gegen diese Höhlenwand, und das Wasser gehört dir.“

Lothar, geblendet vom Versprechen, schlug mit aller Kraft gegen die Höhlenwand. Der Schlag zerschmetterte den Felsen, entfesselte aber auch einen Strom dunklen Wassers. Der Golem lachte. „Deine Stärke ist mein, Prinz! Nun wandere, so schwach wie du vor deiner Königlichkeit warst.“

Elara erreichte der Karte folgend eine versteckte Grotte. Ein Teich schimmerte mit einem schwachen, ätherischen Licht. Eine alte Frau saß am Teich, ihr Gesicht von Weisheit gezeichnet. „Du suchst das Wasser des Lebens?“, fragte sie. „Sag mir, was ist das Wichtigste, das es zu schützen gilt?“

„Wie Helen Keller sagte: ‚Die besten und schönsten Dinge auf der Welt kann man weder sehen noch berühren – man muss sie mit dem Herzen fühlen‘“, erwiderte Elara. „Deshalb schütze ich Liebe, Schönheit und Verständnis.“ Die alte Frau lächelte. „Der Fluss erkennt die Wahrheit. Fülle dein Gefäß.“

Elara kehrte ins Königreich zurück und gab seinem Vater das Wasser des Lebens. Als der König trank, kehrte die Farbe in seine Wangen zurück und sein Lachen hallte wieder durch die Höhle. Lothar, demütig geworden, gestand seinen Fehler.

König Oberon, wieder bei Kräften, regierte mit Weisheit und Mitgefühl, geleitet von Elaras bedachtem Herzen. Lothar, aus seinem Stolz lernend, wurde ein Beschützer des Reiches. Und so blühte das Königreich auf und bewies, dass wahre Stärke nicht in Gewalt, sondern in Verständnis liegt.