The White Cat — Auf Deutsch lesen
Die Titel der Geschichten stehen noch auf Englisch; der Text jeder Geschichte ist auf Deutsch.

Auf einer vulkanischen Insel, wo Gärten aus Feuerblumen blühten, lebten drei Prinzen: Alaric, der Kühne; Caspian, der Kluge; und Florian, der Freundlichste von allen. Ihr Vater, der König, erklärte, er würde seinen Thron dem Sohn überlassen, der eine unmögliche Aufgabe erfüllte. Wer ihm das seltenste Geschöpf, den kleinsten Hund und die schönste Dame bringen könnte, würde sein Erbe sein.

„Denkt daran“, donnerte der König, seine Stimme hallte über den Hof, „nur die Findigsten werden Erfolg haben!“ Alaric schnaubte: „Findigkeit ist für Feiglinge, Vater. Ich brauche nur Stärke!“ Kaspian verbeugte sich tief: „Ich werde mich auf meinen Verstand verlassen, Vater, um dieses Rätsel zu lösen.“ Florian, stets sanftmütig, nickte nur, seine Augen voller Entschlossenheit. Jeder Prinz wählte einen anderen Weg und verschwand in der feurigen Wildnis der Insel.

Florian reiste tief in den Wald, wo Feuerblumen seltsame Schatten warfen. Eine verwitterte alte Frau, unter einem knorrigen Baum gekrümmt, rief ihm zu: „Gütiger Herr, könnten Sie einer müden Seele eine Münze entbehren?“ Florian zögerte. Alles, was er hatte, war gerade genug, um die Überfahrt von der Insel zu bezahlen, falls er scheiterte. „Natürlich“, sagte er und reichte ihr die Münze, „Ihnen zu helfen ist wichtiger, als mir selbst zu helfen.“

Die alte Frau lächelte und zeigte überraschend weiße Zähne. „Freundlichkeit ist eine Tugend, die man selten sieht, junger Prinz. Nimm dies“, sagte sie und reichte ihm einen kleinen, silbernen Schlüssel. „Er wird mehr als Türen öffnen. Er wird Wahrheiten enthüllen.“ Florian untersuchte den Schlüssel. Er pulsierte schwach mit Wärme. „Danke, Mutter“, sagte er und verneigte sich. „Aber ich fürchte, er wird mir nicht helfen, das seltenste Geschöpf oder die schönste Dame zu finden.“

Dem Pfad folgend, fand Florian sich vor einem schimmernden Palast wieder, der aus gesponnenem Mondlicht gefertigt war. Darin bellten und spielten Hunde jeder Rasse. Eine wunderschöne Jungfrau, ihr Gesicht von goldenem Haar umrahmt, saß auf einem Thron aus Perlen. „Willkommen, Prinz“, sagte sie, ihre Stimme wie ein silbernes Glöckchen. „Ich bin hier, um dein Herz zu prüfen.“

„Beantworte dieses Rätsel“, fuhr sie fort, ihre Augen funkelten vor Vergnügen. „Was kommt immer, aber kommt nie an?“ Florian dachte einen Moment nach. „Morgen“, erklärte er. Die Jungfrau lächelte. „In der Tat. Ihr besitzt Witz, aber Witz allein gewinnt dieses Spiel nicht. Nun, das seltenste Geschöpf, Prinz?“

Eine schneeweiße Katze mit saphirblauen Augen wand sich um Florians Beine. Sie schnurrte leise. Die Jungfrau seufzte. „Sie ist die seltenste Kreatur, denn sie ist nicht, was sie scheint. Um ihre wahre Gestalt zu enthüllen, musst du diesen Schlüssel auf den juwelenbesetzten Spiegel im Westflügel anwenden.“ Florian kniete nieder und streichelte das Fell der Katze.

Florian trug die Katze zum Westflügel. Der juwelenbesetzte Spiegel schimmerte mit einem unnatürlichen Licht. Er steckte den silbernen Schlüssel ein. Als das Schloss klickte, verwandelte sich die Katze in eine Frau von strahlender Schönheit, ihre Augen spiegelten das Saphirblau der Katze wider. „Danke, Prinz Florian“, sagte sie, ihre Stimme nun klar und stark, „ich wurde von einer eifersüchtigen Zauberin verflucht.“

Florian kehrte mit der befreiten Prinzessin und der weißen Katze zu seinem Vater zurück. Alaric hatte einen furchterregenden Drachen mitgebracht und Caspian einen Hund, der kleiner war als seine Hand, aber keiner von beiden hatte wahre Schönheit gefunden. Der König, der die Freundlichkeit der Prinzessin und Florians selbstlose Tat sah, lächelte. „Wie Leonardo da Vinci sagte: ‚Wo Geschrei ist, da ist kein wahres Wissen‘“, erklärte König Oberon. „Florian hat wahre Weisheit gezeigt. Er ist mein Erbe.“

Florian regierte mit sanftem Herzen, geleitet von Weisheit und Mitgefühl. Die Feuerblumen blühten unter seiner Herrschaft heller, ein Zeugnis seiner Güte. Die Prinzessin, seine Königin, brachte Frieden und Wohlstand ins Land. Mit der Zeit wurde die Vulkaninsel nicht mehr für ihr Feuer bekannt, sondern für die Herzlichkeit ihrer Menschen.