The Wonderful Hair — Auf Deutsch lesen
Die Titel der Geschichten stehen noch auf Englisch; der Text jeder Geschichte ist auf Deutsch.

In einer Kristallhöhle, die von verlorenen Melodien widerhallte, lebten drei Schwestern: Lumina, die Träumerin; Argenta, die Realistin; und Solara, deren Haar eine Magie besaß, die anders war als jede andere. Ihr Leben war jedoch alles andere als harmonisch. Solaras strahlendes Haar, von dem es hieß, es fange das Licht von tausend Sternen ein, wurde zu einer Quelle des Neides und des Grolls für ihre Schwestern, denn seine Schönheit war sowohl ein Geschenk als auch eine Last, die drohte, ihr zerbrechliches Band zu zerbrechen und die Höhle in ewige Dunkelheit zu stürzen. Sie sehnten sich nach der Schönheit und Aufmerksamkeit, die es ihr brachte, und luden unwissentlich eine Dunkelheit ein, die ihre Macht ausnutzen wollte.

Lumina seufzte und blickte in einen Kristallsplitter, der als Spiegel diente. „Warum sie?“, flüsterte sie und fuhr die Linien ihres Gesichts nach. Argenta schnaubte und polierte einen frisch abgebauten Kristall. „Es sind nur Haare, Lumina. Lass dich davon nicht verzehren.“ Doch die Worte klangen selbst in ihren eigenen Ohren hohl; beide Schwestern verspürten ein nagendes Unbehagen, ein Gefühl der Unvollständigkeit, das durch Solaras scheinbar mühelose Ausstrahlung noch verstärkt wurde.

Solara, die ihr Flüstern hörte, kam näher, ihr goldenes Haar schimmerte wie ein Wasserfall. „Wusstet ihr“, sagte sie leise, „dass die alten Texte davon sprechen, dass diese Höhle einen ‚Sternenweber‘ beherbergt? Es heißt, jemand mit Haar aus reinem Sternenlicht kann zerbrochene Bande kitten und Harmonie in die Höhle bringen.“ Argenta verdrehte die Augen. „Legenden, Solara. Konzentrier dich auf etwas Reales.“ Lumina jedoch verspürte einen Funken Hoffnung. „Aber was, wenn… was, wenn es wahr ist?“

Von der Legende angezogen, wagte sich Lumina, Argentas Warnungen ignorierend, in den flüsternden Wald außerhalb der Höhle. Tief darin fand sie eine alte Frau, die neben einem knorrigen Baum kauerte, dessen Äste mit silbernen Blättern beladen waren. „Du suchst die Wahrheit des Sternenwebers?“, krächzte die Frau. „Dann gib mir eine Strähne deines goldenen Haares. Ein kleiner Preis für solch mächtiges Wissen.“

Lumina zögerte, ihre Finger fuhren über die silbernen Blätter des Baumes. „Welches Wissen wird mir dieser Strang kaufen?“, fragte sie, ihre Stimme kaum ein Flüstern. Die alte Frau kicherte. „Das Geheimnis, wie dein Haar heller schimmert als das von Solara. Ein Trank, gebraut unter dem Licht eines Blutmondes.“ Lumina, von Neid verzehrt, zupfte einen Strang von Solaras ausgefallenem Haar, den sie heimlich bei sich getragen hatte, und übergab ihn.

Unter dem Blutmond befolgte Lumina die Anweisungen der alten Frau und braute einen Trank, der nach dunkler Erde und Bedauern roch. Argenta fand sie, ihr Gesicht vom purpurroten Licht erleuchtet. „Was hast du getan, Lumina?“, verlangte sie mit zitternder Stimme. „Das ist nicht der richtige Weg! Wir sollten zusammenarbeiten, nicht gegeneinander intrigieren.“

„Ich versuche doch nur, gesehen, geschätzt zu werden!“, rief Lumina, Tränen strömten ihr übers Gesicht. Sie goss den Trank über ihr Haar. Nichts. Argenta packte den Arm ihrer Schwester. Solaras Haar in der Höhle – es wurde dunkler. Die Kristalle der Höhle flackerten und drohten, das magische Herz der Höhle zu erlöschen.

Solara lag schwach da, ihr goldenes Haar fast vollständig verblasst. Argenta, sich an Solaras Worte erinnernd, schrie: „Wir müssen uns unseren Ängsten stellen, nicht vor ihnen weglaufen, wie Eleanor Roosevelt einmal sagte! Die Sternenweberin heilt zerbrochene Bande, sie schafft sie nicht!“ Argenta packte eine Handvoll von Luminas tränkengetränktem Haar und warf es in den zentralen Kristall der Höhle.

Die Höhle brach in Licht aus. Solara's Haar leuchtete heller als je zuvor, die Kristallformationen pulsierten mit erneuerter Energie. Luminas Haar jedoch nahm seinen natürlichen Silberton wieder an, ihr Gesicht war von Verständnis gezeichnet. „Es ging nicht um mein Haar“, flüsterte sie. „Es ging um unsere Verbindung.“

Von diesem Tag an arbeiteten die Schwestern zusammen: Lumina nutzte ihr Wissen über Tränke, um die Kristalle zu verbessern, Argenta setzte ihre Fähigkeiten ein, um sie nachhaltig abzubauen, und Solara nutzte ihr strahlendes Haar, um die Höhle zu erleuchten, und erinnerte alle, die sie betraten, daran, dass wahre Schönheit nicht in individueller Brillanz liegt, sondern in der Stärke gemeinsamer Bindungen. Und die Höhle, einst von Dunkelheit bedroht, erklang nun mit einer Melodie der Einheit.